Grundsteuer: Wie teuer es wirklich wird

Trübe Stimmung unter den Länderfinanzministern: Eigentlich wollte man sich am 9. September mit dem Reformvorschlag für die Grundsteuer an die Öffentlichkeit wagen. Aber nun gärt es offenbar so sehr in den Verhandlungen, dass bereits drei Wochen vorher Details nach außen dringen. Die Frage: Wie soll Grundbesitz künftig besteuert werden?

Die drei Südländer Bayern, Baden-Württemberg und Hessen wollen die Besteuerung von Grund und Boden ab 2012 möglichst einfach, pauschal und automatisch gestalten. Ihr Vorschlag: Lage und Ausstattung der Gebäude sind künftig egal, es zählt allein die Gebäudegrundfläche und die Geschosszahl. Pro Quadratmeter werden zwischen zwei und 40 Cent angesetzt, multipliziert mit dem Hebesatz der Gemeinde – und fertig ist die neue Grundsteuer nach dem „Einfach-Modell“.

Fünf gegen drei

Dagegen wehren sich die Reformer im Norden: Unter der Federführung Bremens setzen Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen und Berlin auf eine eigene Idee. „Grundsteuer auf Basis von Verkehrswerten“ heißt ihr Modell. Sie wollen einen möglichst realitätsnahen Schätzwert bilden. Grundlagen wären der tatsächliche Kaufpreis und zum Teil existierende Immobiliendaten wie Lage, Grundstücksgröße, Wohnfläche und Baujahr. Ähnlich verfahren bereits die Niederlande, sagen die Reformer in ihrem Rechtsgutachten, das FOCUS Online ausgewertet hat.

Marktpreise kontra Cent-Pauschalen

Bislang gelten veraltete Einheitswerte aus den Jahren 1964 (Westen) und 1935 (Osten). Danach kostet ein Neubau des Jahres 2009 genauso viel Steuer wie ein Altbau aus dem Jahr 1964 bzw. 1935. Mit dem tatsächlichen Wert haben diese fiktiven Annahmen nichts mehr zu tun – ein Grund, weshalb der Bundesfinanzhof eine Neuregelung der Steuerregeln fordert.

Welches Konzept auch kommt: Entscheidend ist, wie teuer die neue Grundsteuer für diejenigen wird, die sie bezahlen: die Eigentümer und ihre Mieter, die diese Abgabe als Nebenkosten zahlen.

Zahlen zur Grundsteuer

35 Millionen Grundstücke gibt es in Deutschland, 21 Millionen davon sind Wohnimmobilien. Die Steuereinnahmen liegen derzeit bei 322 Euro pro Grundstück, insgesamt 11,3 Milliarden im Jahr 2009. Die Grundsteuer macht etwa 18 Prozent der Einnahmen der Kommunen aus.

Quelle: Focus
von FOCUS-Online-Autorin Michaela Hutterer

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